Es hat meiner Meinung nach schon viel zu lange gedauert, aber nachdem das gPhone Google Handy-Betriebssystem Android schon seit geraumer Zeit angekündigt war, überraschte der Platzhirsch unter den Suchmaschinen anfang der Woche mit der Veröffentlichung eines eigenen Browsers. Dieser hört auf den Namen “Chrome” und ist derzeit (03.09.2008) nur für Windows Vista und XP zu haben. Die Versionen für MacOSX und Linux befinden sich laut Aussagen der Entwickler aber bereits in der Mache.
„Warum schon wieder einen neuen Browser erlernen?“ – Nun, niemand wird gezwungen seine Benutzerverhalten zu ändern. Der Browsermarkt ist voll von Alternativen, den persönlichen Favoriten zu finden ist dadurch aber nicht grade einfach geworden. Aber die Chrome-Entwickler machen es einem sehr schmackhaft: Ein unglaublich schneller JavaScript-Interpreter rendert so ziemlich jede Web 2.0 Seite (MySpace, StudiVZ/MeinVZ, YouTube, Last.FM…) deutlich schneller als die Konkurrenten. Zusätzlich schafft ein neues Sicherheitsmodell, nun ja, eben mehr Sicherheit – Jeder Tab ist ein eigener Prozess und verfügt über seinen eigenen Bereich im Arbeitsspeicher. Ein Hacker kann also nicht mehr über die Grenzen der Website hinaus spionieren. Gleichzeitig verringert sich die Absturzwahrscheinlichkeit. Ein nicht mehr reagierender Tab kann geschlossen werden und reißt nicht mehr den gesamten Browser mit sich.
Wichtig für Paranoide: Es gibt eine spezielle Betriebsart, die jegliche Spuren sofort beim Schließen des Fensters Tabs wieder vom Rechner tilgt. Böse Zungen sprechen vom „Porno-Modus“. Außerdem unterstützt der Browser Googles eigenes Web 2.0 Framework Gears. Damit sind Webanwendungen möglich, die sich von Desktopanwendungen kaum noch unterscheiden lassen. Googles nächster Schritt Richtung eigenes Betriebsssytem. Weil so wie ich es von diesen Leuten erwarte, programmieren die nichts herkömmliches sondern schocken gleich mit einem kompletten Online-Betriebssystem. Chrome stellt dabei sicher nur den ersten Schritt dar.
Ich wäre nicht ich, wenn ichi an dieser Stelle nicht auch gleich ein paar negative Punkte aufführen würde. Vom Datenschutz mal abgesehen – Google häuft immer mehr Daten an zentralen Stellen an und weiß immer mehr über unser privates und öffentliches Leben, das kann nicht ewig gut gehen – davon mal abgesehen gibt es bereits erste Sicherheitslücken und auch eine Möglichkeit den kompletten Browser zum Absturz zu bringen. Ich denke, jeder sollte wenigstens einen Blick riskieren und sich sein eigenes Urteil bilden (dieser Grundsatz gilt ja nicht nur bei der Browserwahl). Mich konnte der Browser wegen seiner hohen Geschwindigkeit sehr beeindrucken, aber jetzt heißt es erstmal abwarten, in welche Richtung sich „das Internet“ bewegt.